HOPEPUNK - Was ist das und warum jetzt?

Shownotes

Informationen zu ME/CFS

https://www.mecfs.de/was-ist-me-cfs/ https://mecfs-research.org/en/costreport-long-covid-and-mecfs/

Zitierte Bücher

Viktor Frankl, Und Trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager, 17. Auflage, München 2009

Florence Gaub, Zukunft: Eine Bedienungsanleitung, 9. Auflage, München 2024

Rebecca Solnit, "Difficult Is Not the Same as Impossible", in: Rebecca Solnit / Thelma Young Lutunatabua, Not Too Late: Changing the Climate Story from Despair to Possibility, Chicago 2023, S. 3ff, 5.

"A conversation between Kate Crawford and Nnedi Okorafor" (15.08.2021)

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Thanks to Pepo Marquez for helping to edit this podcast

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 HOPEPUNK ist ein Podcast über unsere Fähigkeit als Menschen, uns im Angesicht von Herausforderungen für die Hoffnung zu entscheiden. Hoffnung Nicht als blinder Optimismus, sondern als Kraft. Um aktiv auf eine positive Zukunft hinzuarbeiten. Hopepunk ist eigentlich ein Subgenre aus der Science Fiction, das sich gegen das Dystopische stellt.

Letzteres hat derzeit bekanntlich Hochkonjunktur. In diesen Zeiten wird das Hochhalten von Hoffnung, von Zuversicht und Nächstenliebe zu einer bewussten Entscheidung und, so meine ich, zu einer gesellschaftlich relevanten Kraft. In diesem Podcast möchte ich mit euch ergründen, welche Kraft in Hoffnung stecken kann.

In jeder Folge widme ich mich einem Thema oder einem Gast, der die Hoffnung in irgendeiner Art und Weise in Leben oder Arbeit verkörpert. Mein Name ist Maite Schomburg und ich freue mich, dass ihr dabei seid.

Willkommen in dieser ersten, einleitenden Folge von Hopepunk. Es soll heute darum gehen, was Hopepunk für mich bedeutet und warum ich glaube, dass das, wofür Hopepunk steht, bestens in unsere Zeit passt. Hopepunk ist eigentlich ein Begriff aus der Fantasy- und Science-Fiction-Literatur. Im Jahr 2017, also während der ersten Amtszeit von Donald Trump in den USA, Haben die US-amerikanische Fantasy-Autorin Alexandra Rowland in einem Tumblr-Post geschrieben »Hope Punk is the opposite of Grimdark.

Pass it on!« Nun ist Grimdark ein ganz besonders dystopisches Subgenre von Science-Fiction, sowas wie Game of Thrones zum Beispiel. Wenn Hope Punk das Gegenteil davon ist, dann vielleicht eher »Der Herr der Ringe«. Es meint Geschichten, in denen es Dystopisches durchaus gibt – Aber in denen Charaktere dennoch die Hoffnung nicht aufgeben, dass sie bestimmte Herausforderungen am Ende werden bewältigen können.

Auch wenn es zwischendurch nicht danach aussieht. Hopepunk ist jedenfalls nicht naiv oder blind optimistisch. Im Gegenteil. Auch im Hopepunk gibt es die dunklen Mächte Kriege und Konflikte, aber dem wird eben etwas entgegengesetzt. Man entscheidet sich für die Hoffnung, und zwar immer wieder. Ich glaube, dass genau hier eine Kraft von Hope Punk liegt, nämlich darin dass es beides ist.

Hoffnung und Punk. Wir alle wissen, wie viele Konflikte es gerade auf der Welt gibt, von einer unfassbaren Brutalität und Zerstörungskraft. Auch wir brauchen beides, Hoffnung und Punk. Es gibt so viel Dystopisches in unserer Welt gerade. Hinzu kommen die persönlichen Herausforderungen vor denen wir vielleicht stehen.

Können wir dem etwas entgegensetzen? Hopepunk sagt, im Kleinen können wir uns immer entscheiden, wie wir auf die Welt reagieren. Vielleicht setzen wir noch mehr Brutalität und Wut in diese Welt, wie es viele derzeit tun. Aber mir erscheint das wenig sinnvoll. Wir können auch, und das erscheint mir wesentlich sinnvoller, dem Destruktiven etwas Konstruktives entgegensetzen, auch wenn das vielleicht nur ein Tropfen sein kann auf den heißen Steinen.

Denn Hopepunk sagt, steter Tropfen höhlt den Stein, weitermachen, trotz allem und im Angesicht von allem. Nun gibt's natürlich die üblichen Einwände gegen Hopepunk. Es war immer schon leicht, die Hoffnung zu belächeln. Hopepunk sei naiv, irrelevant, man könne doch eh nichts ändern, das Ganze sei Quatsch und als Genre sei Hopepunk ohnehin nur nervig.

Aber das hier soll keine Abhandlung sein über Science-Fiction-Subgenres. Mir geht es darum, das Konzept des Hopepunk auf unsere Zeit anzuwenden. Menschen kennenzulernen, die das verkörpern was ich unter Hopepunk verstehe. Ich will gemeinsam mit meinen Gästen und mit euch ergründen, welche Kraft in Hoffnung stecken kann und meinen Blick auf das Hoffnungsvolle lenken, das es schon längst gibt.

Meine eigene Erfahrung hat mir jedenfalls gezeigt, dass auch in vermeintlich kleinsten Gesten sehr viel Kraft und Hoffnung stecken kann.

An dieser Stelle nun ein kleiner Exkurs ins Persönliche. Für mich gab es einen ganz konkreten Moment, in dem ich für mich lernte, dass Hoffnung eine Entscheidung ist, die mir hilft.

Ich bin eigentlich Staatswissenschaftlerin, habe internationale Beziehungen studiert und mich im Berufsleben immer mit so Sachen beschäftigt wie Demokratie europäische Integration, politische Öffentlichkeit sowas Aber vor allen Dingen dachte ich bis ich ungefähr Mitte 30 war, ich hätte eine Idee davon, in welche Richtung sich mein Leben bewegen würde, beruflich wie privat.

Und dann kam der Punkt, in dem ich diese Zukunft eben nicht mehr sehen konnte. Da kam die Hoffnung ins Spiel. Und das war vor circa zehn Jahren, als mein Mann schwer an ME-CFS erkrankte. ME-CFS steht für das Chronic Fatigue Syndrom und ist eine potenziell schwere chronische Erkrankung, die auch im Zusammenhang mit Long-Covid steht.

Jedenfalls ist sie immer noch kaum erforscht und kaum bekannt, obwohl in Deutschland mittlerweile ca. 650.000 Menschen mit ME-CFS diagnostiziert wurden und dadurch geschätzt mehr als Milliarden Euro Schaden pro Jahr allein in Deutschland entstehen Links zu den Quellen in den Shownotes.

Jedenfalls war mein Mann plötzlich pflegebedürftig und bettlägerig und ich mit knapp 34 Jahren pflegende Ehefrau. Eine Zukunft konnte ich zeitweise gar nicht mehr sehen. Da war nur noch schwarz. In diesem Moment stand ich instinktiv vor der Wahl.

Entweder ich versinke in der Trauer oder ich gebe der Situation irgendwie einen Sinn. Ich will hier gar nicht im Detail auf diese Erfahrung eingehen. Aber dass ich heute hier sitze und fröhlich in ein Mikro spreche, das verdanke ich der Tatsache dass ich über all die Jahre gelernt habe, mich immer wieder für die Hoffnung zu entscheiden und das Glück auch im Angesicht von Trauer zu greifen.

Ganz besonders im Angesicht von Trauer zu greifen. Als die Krankheit meines Mannes sich abzeichnete, stieß ich auf das Buch »Und trotzdem ja zum Leben sagen« von dem österreichischen Psychiater Viktor Frankl. Dem Begründer der Logotherapie. In diesem Buch spricht Frankel über seine Erfahrungen in Konzentrationslagern während des Zweiten Weltkriegs, darunter Auschwitz, und beschreibt die Fähigkeit des Menschen, selbst unter diesen horrendensten Bedingungen einen Sinn im Leben zu sehen oder zu finden.

Dem Leben und Erlebten einen Sinn zu verleihen, das, sagt Frankel, sei grundsätzlich möglich, auch wenn das nichts für jeden sei. Mir half dieser Gedanke in meiner persönlichen Krisensituation Die selbstverständlich nicht vergleichbar war mit dem, was Frankl erlebt hatte, sehr konkret. Ich sage nicht, dass das was für jeden ist und auch nicht, das ist mir wichtig zu sagen, dass man dafür verantwortlich ist, wenn einem etwas Hartes oder Schwieriges widerfährt und man dann eben keinen Sinn darin erkennen kann.

Auch meine ich nicht, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Angesichts dessen was in der Welt gerade los ist, wäre das schlicht zynisch. Ich kann hier nur aus persönlicher Erfahrung sprechen. In Momenten in denen ich dachte, das macht alles keinen Sinn mehr und diese Momente gab es, hat es mir immer geholfen, wenn ich es geschafft habe, so einen Perspektivwechsel hinzubekommen und sei es mithilfe von außen.

Wie gesagt, jede Situation ist anders, aber für mich bedeutete ein Perspektivwechsel den Unterschied zwischen einem Versinken in der Trauer und einem sinnhaften Erleben einer unverändert harten Situation. Wie passt nun die Hoffnung da rein? In den Momenten die sich am allerdunkelsten anfühlten, gab es immer wieder auch kleine Schimmer des Glücks.

Kleine Hoffnungsschimmer. Plötzlich sind mir Dinge aufgefallen, über die ich vorher hinweg gesehen hätte. Die Sonne schien. Oder man findet im richtigen Moment ein Erinnerungsstück das irgendeinen hilfreichen Gedankengang startet. Es waren diese Momente, in denen ich merkte, jetzt kann ich mich dazu entscheiden, Hoffnung daraus zu schöpfen.

Leonard Cohen hat mal geschrieben,

Nicht umsonst ist dieses Zitat vielleicht ein bisschen überstrapaziert aber es steckt eben auch ein bisschen Wahrheit drin. Immer, wenn ich so ein Quäntchen Freude oder Glück empfunden habe, wurde das zu etwas Besonderem und zu einer Erinnerung daran, dass das Leben auch richtig schön sein kann. Und wenn es möglich ist, Schönheit auch im Angesicht des schwärzesten Momentes meines Lebens zu empfinden, Dann eröffnet das auch die Möglichkeit, dass die Zukunft wieder heller werden könnte.

Die Kraft der Hoffnung liegt für mich in dieser Zukunftskomponente. Nicht, weil sie Garantie auf Erfolg hat, sondern weil sie Kraft schenkt. Und weil es manchmal einfach nicht anders geht. Manchmal ist die Hoffnung alles, was bleibt. Die Schriftstellerin Rebecca Solnit hat es mal auf den Punkt gebracht, als sie sagte, Hoffnung ist die Axt, mit der man im Notfall die Tür einschlägt.

Sie sagt auch, Hoffnung ist nicht Optimismus. Hoffnung wie Liebe, bedeutet, Risiken einzugehen und sich verletzlich zu machen gegenüber Verlust. Es bedeutet, sich Herausforderungen zu stellen und Unsicherheit anzunehmen. Zu hoffen bedeutet anzuerkennen, dass man einiges von dem, was man liebt beschützen kann, während man gleichzeitig das betrauert, was man verliert.

Und zu wissen, dass wir handeln müssen, ohne das Resultat dieses Handelns zu kennen. Zitat Ende. Diese Gleichzeitigkeit auszuhalten von Liebe und Trauer und dankbar dafür zu sein, dass die menschliche Erfahrung das zulässt, ich glaube, darum geht es ein Stück weit. Das ist jedenfalls eins meiner Takeaways aus dem Umgang mit der Krankheit meines Mannes.

Es hat dann noch ein paar Jahre gedauert bis ich Hopepunk als etwas entdeckt habe, das mein Verständnis von Hoffnung für mich auf den Punkt bringt. habe 2020, während Corona, das erste Mal davon gehört, als die Welt während der Lockdowns still zu stehen schien.

Während der Corona-Zeit fiel es mir zeitweise sehr schwer, zu viele Nachrichten zu lesen. Aber ich interessiere mich halt für Politik, insbesondere dafür, wie politische Öffentlichkeit funktioniert. Und mich hat durchaus beeindruckt was in und mit unserer Gesellschaft passierte. Darüber zu reden, fand ich aber oft schwierig. Während der las ich sehr viel, unter anderem eben Fantasy und Science Fiction.

Geschichten zu lesen die dem Hopepunk-Genre zugeordnet werden können, schien mir dann ganz guter Kompromiss zu sein, Science Fiction als unverfängliches Spielfeld, auf dem positive Zukunftsvisionen erdacht werden konnten. Mein Interesse für Science Fiction und Politik überschnitten sich für mich, als ich eher per Zufall eine Unterhaltung zwischen der Autorin Nnedi Okorafor, die man dem Hopepunk zuordnen könnte, und der Soziologin Kate Crawford hörte.

Nnedi Okorafor entwirft in ihren Büchern gerne mal Utopien und Kate Crawford hat ein mega interessantes Buch geschrieben, nämlich Atlas of AI, in dem sie den physischen Fußabdruck auf Menschen und Planeten dokumentiert, der durch die Ressourcenanforderungen der künstlichen Intelligenz entsteht.

Sinngemäß sprachen die beiden über die Notwendigkeit, Zukunftsvisionen zu erschaffen, die planetare Grenzen im Blick haben. Als Gegenentwurf zu der Zukunft, die uns die Tech-Bros versprechen und die mir häufig dystopisch erscheint. Und das bringt mich zur gesellschaftlichen Relevanz von Hopepunk. Damit wir auf eine bestimmte Zukunft hinarbeiten können, müssen wir sie uns erst mal vorstellen können.

Wir müssen sie uns erdenken. Science-Fiction sprengt vielleicht manchmal unsere Vorstellungskraft, aber genau deshalb ist sie so wichtig. Aus vermeintlich verrückten Ideen entstehen Innovationen. So viele technologische Entwicklungen waren mal Science-Fiction Und sie sind es schon wieder und dabei gleichzeitig so wahnsinnig relevant für unser Heute.

Man blicke nur auf die derzeitigen Entwicklungen und Debatten rund um die künstliche Intelligenz. Nur, ist es denn wirklich nur möglich, Fortschritt so zu denken, dass dabei unser Planet, unsere Lebensgrundlage flöten geht? Gibt es wirklich nur die Entwicklung hin zum Abbau von immer mehr Rohstoffen und von zweieinhalb bis drei Grad Erderwärmung oder mehr?

Fakt ist, derzeit schaffen wir es nicht als Gesellschaft diesen Entwicklungen effektiv etwas entgegenzusetzen. Vielleicht liegt es daran, dass eine Zukunft mit 3 Grad Erderwärmung schlicht kaum vorstellbar ist, ich weiß es nicht. Zurück zum Punkt. Das Spiel mit der Hoffnung ist ein Drahtseilakt, aber wir brauchen alternative Zukunftsvisionen, sicherlich auch ein neues Fortschrittsverständnis, wenn wir die Lebensgrundlagen auf unserem Planeten erhalten wollen.

In Zukunft kann nur das entstehen was wir uns heute erträumen, und nur das erhalten werden, was wir heute schützen. Florence Gaub, die Zukunftsforscherin, sagt in ihrem Buch Zukunft eine Bedienungsanleitung. Wir müssten unsere Zukunftsfähigkeit bewusst nutzen, uns Zukunfte erträumen, die wir als positiv und hoffnungsvoll empfinden Hope Punk sagt, Werte wie Nächstenliebe, Freundlichkeit, Empathie und Ressourcenerhalt sind Dinge, auf denen man Zukunft aufbauen kann.

Auch wenn uns heute niemand garantieren kann, dass wir diese Werte in Zukunft aufrechterhalten können, so lohnt es sich dennoch, für eine solche Zukunft einzustehen, und zwar heute. Man kann auch mal zurückspulen. Alles, wovon wir heute profitieren, angefangen beim Frieden in dem wir hier in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkriegs leben dürfen, Wurde irgendwann mal erträumt und erkämpft mit Hoffnung im Gepäck und mit Vertrauen.

Man stelle sich alleine das mal vor. Mitte des 20. Jahrhunderts ein ganzer Kontinent gebeutelt von Jahren und Jahrhunderten der kriegerischen Auseinandersetzungen. Menschen, die sich hassen. Und da sagen sich einige Leute, die wir heute als Gründerväter der Europäischen Union betrachten, Gründen wir europäische, grenzüberschreitende Institutionen und arbeiten wir Schritt für Schritt daran, dass die Menschen auf diesem Kontinent in Zukunft kein Interesse mehr daran haben können, sich gegenseitig zu bekriegen.

In vielerlei Hinsicht ist dieses Projekt geglückt, aber natürlich bleiben Herausforderungen. Zum Beispiel, wie können wir ein Auseinanderbrechen der Europäischen Union verhindern Die Europäische Union, so fehlerbehaftet sie in der Praxis auch ist, ist als politisches Projekt mit seinen Ansprüchen an bestimmte Werte für mich ein Hopepunk-Beispiel par excellence.

Wird die heutige EU den Werten die sie vertreten soll, gerecht? Sicherlich nicht. Aber der Anspruch ist da. Und solange das so ist, können wir damit arbeiten. Ich glaube ja, dass wir ganz viel von dem, was wir brauchen, um weiterhin in Frieden leben zu können und ein gutes Leben für uns und für nachfolgende Generationen zu ermöglichen schon längst existiert.

Wir haben immer noch das Glück, in einer liberalen Demokratie zu leben und in einem offenen Europa mit einer starken Zivilgesellschaft. Innerhalb unserer liberalen Demokratie haben wir Rechte, die wir nutzen können, um die liberale Demokratie zu verteidigen wenn wir das wollen. Und auch diese Rechte sind nicht vom Himmel gefallen, sondern das Resultat längerer politischer Entwicklungen mit damals ungewissem Ausgang.

Ich sehe den Hopepunk auch im Erkämpfen dieser Rechte über die Jahre und Jahrhunderte hinweg. Einer der Vorkämpfer dieser Rechte in Europa war Václav Havel, ein führender Regimekritiker in der damaligen Tschechoslowakei und später Staatspräsident der Tschechischen Republik. Dieser sagte mal, und ich zitiere, Hoffnung ist nicht die Überzeugung dass etwas gut ausgeht Sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.

Zitat Ende. Heute stehen wir wieder an einem Scheidepunkt. Der Frieden in dem wir in Deutschland und großen Teil Europas heute leben, ist brüchig geworden. In der Ukraine herrscht seit über drei Jahren ein Krieg der uns alle betrifft. Und die Offenheit unserer Gesellschaft leidet schon länger. Menschen werden zunehmend rhetorisch und tatsächlich verurteilt Und zwar auf eine immer salonfähigere Weise, angegriffen und ausgegrenzt.

Die Debatte darüber, wer vermeintlich zu uns gehört und wer nicht, ist in vollem Gange. Das ist schon lange kein Spaziergang mehr. Und wenn wir weiterhin in einer offenen Gesellschaft leben wollen, dann müssen wir uns was einfallen lassen. Und gleichzeitig gibt es schon so viele Menschen, die sich längst was haben einfallen lassen.

Daher geht es, glaube ich, auch darum, bestehende Initiativen zu Und Menschen zu stärken, dieses vielbeschworene Rückgrat der liberalen Demokratie sind und von denen viele schon längst Hopepunk in ihrem Leben und Tun verkörpern, oftmals unter widrigsten Bedingungen und ohne die finanzielle und strukturelle Unterstützung, die sie verdient hätten.

Was ich sagen will, es macht einen Unterschied, wohin wir unseren Blick richten und wie wir auf etwas blicken, durch welche Wertebrille wir gucken. Für mich sind Werte wie Demokratie, Achtung der Menschenwürde, Pluralismus jedenfalls ein Bestandteil positiver Zukunftsvision. Solche zu entwickeln und deren Realisierung zu verfolgen, im Angesicht von allem, was im Moment dagegen spricht, das ist für mich Hopepunk.

Zusammenfassend beschreibt Hopepunk für mich also eine bewusste Entscheidung für die Hoffnung. Ich habe mir den Begriff nicht ausgedacht, das waren Science-Fiction-Autorin Alexandra Rowland. Hopepunk ist nicht utopisch im Sinne von, am Ende wird alles gut oder streng dich nur an, dann wird das schon. Es bedeutet lediglich, sich immer wieder neu für die Hoffnung zu entscheiden und immer wieder im Rahmen seiner Möglichkeiten das in die Welt zu tragen, wovon man selber mehr haben möchte.

Für mich sind das zum Beispiel mehr Verständnis, Menschlichkeit, Empathie, Care im weitesten Sinne. Eine Zukunft für unsere Kinder. Zukunft zu erträumen und dabei seinen Blick auf das in der Gegenwart zu richten das jetzt schon in Richtung einer solchen Zukunft arbeitet. Und die Herausforderungen dabei nicht auszublenden Sondern auch und im Angesicht dieser Herausforderungen weiterzumachen.

Das ist für mich Hopepunk.

Ich hoffe, diese Folge von Hopepunk, dem Podcast über Hoffnung als Entscheidung, hat euch gefallen. Ich bin Mayte und ich freue mich, wenn ihr auch bei der nächsten Folge wieder dabei seid.

Danke fürs Zuhören und bis bald.

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