HOPEPUNK - "Diagnose ist nicht gleich Prognose" und Resilienz eine Praxis, mit Hendrik Heuermann
Shownotes
Informationen zu Hendrik und seiner Arbeit als Speaker und Resilienzcoach gibt es auf Linkbeschreibung
Im Gespräch erwähnt Hendrik eine Metastudie zu Resilienz (ab min. 30:00): Hamby, S. (2025). The resilience portfolio concept: New insights into how sufficient strengths can overcome even high burdens of trauma. Review of General Psychology, 29(3), 311-324.
Von der Studie hat Hendrik im Podcast "Betreutes Fühlen: Resilienz-Speicher - Was uns stark macht" erfahren.
Die folgenden Songs hat Hendrik geschrieben. Sie sagen auf unterschiedliche Weise etwas über ihn aus:
Phil Siemers - Ich geb dich nicht auf
Anna Loos & Johannes Oerding - Das alles geht hier
Zum Jahresende 2023 lebten in Deutschland rund 7,9 Millionen Menschen mit schwerer Behinderung. Dies entspricht 9,3 Prozent der Gesamtbevölkerung, wie das Statistische Bundesamt Wiesbaden mitteilt Quelle hier.
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00:00:03: Hendrik: Egal was einen umtreibt, was man so mitbekommen hat vom Leben, ist nie die Lösung zu warten. Nie eine Lösung, einfach auf dem Sofa zu bleiben und zu sagen, hoffentlich wird es wieder gut. Sondern es geht darum, zu überlegen, was kann ich denn tun, um bestmöglich damit umzugehen.
00:00:34: Mayte Schomburg: Hope Punk ist ein Podcast über unsere Fähigkeit als Menschen, uns im Angesicht von Herausforderungen für die Hoffnung zu entscheiden.
00:00:41: regelmäßig auf der Bühne.
00:01:01: Sein Leben änderte sich. Als er noch während seines Studiums im Jahre 2006 mit Anfang 20 mit der seltenen Erkrankung Friedreich-Ataxie diagnostiziert wurde. Die Diagnose ging unter anderem mit zwei Ansagen der Ärzte einher. Dein Leben, wie du es kennst ist im Grunde genommen vorbei. Und 40 wirst du nicht.
00:01:21: Heute ist Hendrik Mitte 40, Vater zweier Kinder, Autor des Buches Karma, wir müssen reden und nach einer erfolgreichen Karriere in einem internationalen Modeunternehmen Tätig als Speaker und Resilienzcoach, als solcher trainierter Führungskräfte und Teams im Umgang mit Krisen. Zudem hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen im Umgang mit schwierigen Diagnosen zu begleiten.
00:01:45: Lieber Henrik, danke für deine Zeit.
00:02:03: Hendrik: Klar, gerne. Was für ein Intro.
00:02:05: Mayte Schomburg: Wie stehst du zur Hoffnung?
00:02:07: Hendrik: Tja ich glaube, Hoffnung wird überschätzt. Hoffnung wird oft so als passiv und es heißt, ich habe Hoffnung oder eher sie hat Hoffnung und ich würde eher sagen, es muss aktiver sein. Man müsste eigentlich sagen, er macht Hoffnung oder sie macht Hoffnung, weil ich glaube, dass man selber ganz viel dazu beitragen muss und dann kommt Hoffnung dazu.
00:02:42: Mayte Schomburg: Also ich würde jetzt mal behaupten du machst Hoffnung. Wenn ich das jetzt aber so sage, dann versteht man es vielleicht so, dass du anderen Menschen Hoffnung machst. Das tust du auch, aber vor allen Dingen machst du ja auch dir selber Hoffnung.
00:02:55: egal, was einen umtreibt, was man so mitbekommen hat vom Leben, es ist nie die Lösung zu warten.
00:03:10: Nie eine Lösung, einfach auf dem Sofa zu bleiben und zu sagen, hoffentlich wird es wieder gut. Sondern es geht darum... Zu überlegen, was kann ich denn tun, um bestmöglich damit umzugehen. Und darum glaube ich, dass Resilienz auch immer, immer wieder, nicht immer natürlich, aber immer wieder völlig falsch definiert wird.
00:03:40: nie der Fall.
00:04:00: Mayte Schomburg: Würdest du sagen, so wird Resilienz in der Regel verstanden?
00:04:03: Hendrik: Ja, also ich würde sagen, 90 Prozent aller Anfragen die ich bekomme, auf dem wirtschaftlichen Kontext, also Unternehmen und so, Und die sind immer so gedacht, dass Leute fragen, wie kann ich denn mein Team darauf vorbereiten, dass sie am Ende wieder so sind wie vor der Krise.
00:04:27: auf die nächste Krise besser vorbereitet zu sein.
00:05:03: Mayte Schomburg: War dir das schon immer so klar, dass Resilienz das für dich ist oder hast du dir das selbst erarbeitet?
00:05:10: Hendrik: Also ich wünschte es wäre jetzt so eine Heldengeschichte nach dem Motto, ich habe die Diagnose und dann bin ich direkt konsultiv da rumgegangen und habe vorwärts geschaut und war hochmotiviert und jetzt gebe ich das weiter.
00:05:29: Das war beruflich fast mehr zufällig weil damals kam Corona, alle mussten zu Hause bleiben, es gab einen Lockdown und man dachte, die Welt, die wir kennen, die geht unter.
00:06:14: Mayte Schomburg: Und
00:06:15: Hendrik: ich habe gemerkt, ich hatte den Impuls zu sagen, warte mal, die Welt geht unter, das kenne ich. Du
00:06:22: Mayte Schomburg: redest jetzt über den beruflichen Kontext
00:06:24: Hendrik: Genau. Und… Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, ach warte mal, es gibt eine Überschneidung zwischen den Sachen, die mir gesundheitlich gut getan haben und dem, was jetzt beruflich gebraucht wird.
00:06:40: Und erst dann hat es Klick gemacht bei mir.
00:06:44: Mayte Schomburg: Magst du denn für die Hörer noch einmal nachzeichnen wie das für dich war, als du selber das erste Mal im gesundheitlichen Kontext von deiner eigenen Herausforderung erfahren hast und wie du dann gelernt hast, damit umzugehen?
00:06:57: 2004 und da habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass es komische körperliche Effekte gibt, die ich mir nicht erklären konnte.
00:07:13: Also beim Basketball wurde ich... Langsamer, ich konnte nicht mehr so gut springen und ein paar Bewegungen wurden ungenauer und ich habe das erst nur selber gemerkt. Sport
00:07:29: Mayte Schomburg: war eine große Sache für dich?
00:07:30: Hendrik: Ja, total. Also ich war, wie man so schön sagt, voll im Saft eigentlich.
00:07:39: gesagt, ja, das ist schon nicht so schlimm.
00:08:03: Und habe mir immer wieder irgendwas überlegt, was das erklären könnte, bis ich dann nach zwei Jahren nach den ersten Symptomen zum Arzt gegangen bin und gesagt habe, guck mal, wenn ich mir die Augen zuhalte dann falle ich um. Was kann das sein? Und dann ging eine ziemlich lange Odyssee los. Also es ist immer ein änderungslosen Rausch aus Krankenhausflug und Sekretarngeruch und alle Zungen mit den Schultern.
00:08:34: Bis 2006 jemand sagte, sie haben die Friedreich-Ataxie. Und ich meine, die meisten Neurologen haben das noch nicht. Gehört. Und ich habe dann das Schlimmste gemacht, was man tun kann. Ich habe einfach angefangen zu googeln. Das
00:08:55: Mayte Schomburg: ist ja eine seltene Erkrankung oder? Sehr seltene Erkrankung.
00:08:57: ist ungefähr vergleichbar mit MS.
00:09:04: Ist ein anderer Impuls als eine Entzündung, aber die Effekte sind ähnlich. Und ich hatte maximal schlechten herzlichen Beistand Die einfach schulterzuckend gesagt haben, na gut, dann sehr alt werden sie ja nicht. So, das ist ihr Leben und haben das so hingeklatscht.
00:09:29: Mayte Schomburg: In deinem Buch, das du geschrieben hast, hast du mal gesagt, dass das für dich ein hoffnungsloser Moment war, den du, glaube ich heute anderen Leuten gerne ersparen würdest wenn du kannst, mit deiner Arbeit.
00:09:43: Wenn sie zu dir kommen mit einer Diagnose, dass du diesen Menschen auch hilfst?
00:09:47: Menschen dann wahnsinnig weh tut. Der Fehler ist, dass in dem Fall oft die Ärztinnen und Ärzte Diagnose und Prognose vermischen.
00:10:13: Mayte Schomburg: Das
00:10:14: Hendrik: ist aber nicht das Gleiche Das will ich echt unterstreichen. Diagnose ist nicht die Prognose. Diagnose ist nämlich das, was die Ärztinnen und Ärzte total gut können. Die haben... Bestimmte Symptome, untersuchen dann, was kann der Auslöser sein und am Ende, idealerweise, kriegst du irgendwas Schwarz auf Weiß auf den Tisch.
00:10:39: Die Brotnose ist nur ein Mittelwert aus allem, was sie kennen. Und also völlig ausreißend nach oben oder nach unten, die werden immer rausgerechnet und das ist ein durchschnittliches Wert.
00:11:15: Und in dem Fall... Einem 24-Jährigen ins Gesicht zu sagen, so wird ihr Leben weitergehen, ist ein Abtraum. Und insofern ich springe mittlerweile wie eine Löwmutter vor alle Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, weil ich weiß, wie gefährlich der Moment ist, wenn jemand vor dir steht. Du völlig abhängig bist, du bist in einer extrem zerbrechlichen emotionalen Situation und dann sagt jemand, so wird dein Leben weitergehen, das ist super gefährlich.
00:11:59: Darum ich renne jetzt rum und die Leute, die ich treffe, wenn die sich einen Spruch von mir merken, dann ist das Diagnose ist nicht Prognose.
00:12:13: Mayte Schomburg: Ein schlüssiger Satz Ich muss gerade an zwei Dinge denken. Mein Vater ist Onkologe und ich hatte mal ein ganz langes Gespräch mit ihm darüber, wie er Diagnosen übermittelt.
00:12:23: Und da erzählt er genau das. Du hast eine Diagnose und du hast eine Prognose die eine Wahrscheinlichkeitsrechnung ist, mit einer Kurve. Die allermeisten Menschen haben vielleicht mit dieser Diagnose noch x Jahre zu leben, aber es gibt immer diejenigen, die die Erwartungen sprengen. Und nun ist die Onkologie natürlich ein ganz anderes Feld.
00:12:44: Aber das machen ja nicht alle Ärzte so ungeschickt empathielos wie du das erlebt hast.
00:12:51: Je mehr man sich damit beschäftigt desto mehr versteht man auch, was für Lücken es in diesem System gibt. Und ich würde jetzt gar nicht so sehr mit dem Finger auf bestimmte Ärztinnen und Ärzte zeigen, weil dass jemand morgens aufsteht und sagt, jetzt mache ich dem Patienten das Leben schwer, das glaube ich nicht.
00:13:24: Mayte Schomburg: Nein, das denke ich
00:13:25: Hendrik: auch nicht. Aber es gibt so ein paar Sachen im... Gesundheitssysteme die man, wenn man die einmal durchschaut hat, verändert sich alles. Und das ist zum einen dieses Diagnose und Prognose-Ding zum anderen war es für mich, als ich kapiert habe, Hoffnung ist juristisch ganz ganz schwierig.
00:13:55: Mayte Schomburg: Jetzt bin ich gespannt.
00:13:57: als Ärztin als Arzt nicht jemandem einfach so Hoffnungen machen.
00:14:05: Mayte Schomburg: Ah ja, okay. Du
00:14:06: Hendrik: kannst nicht sagen, ah, wahrscheinlich werden sie wieder lernen zu laufen. Das geht juristisch nicht. Weil dann der Patient nach ein paar Jahren sagen könnte, ich kann aber nicht laufen.
00:14:19: Das ist ja mir ja angelogen.
00:14:22: Mayte Schomburg: Ja.
00:14:23: Hendrik: Aber andersrum geht es. Du kannst sagen, wahrscheinlich werden sie nie wieder laufen. Wenn er dann doch wieder laufen kann, sagen alle, ja, wunderbar, wenn er nicht seht. Also es gibt einen juristischen sag ich mal, Incentive eher negativ zu sein.
00:14:44: Mayte Schomburg: Aber meinst du jetzt juristisch im Sinne von juristisch oder im Sinne von so einer Klagegefahr oder meinst du eher im Sinne von Verantwortungslosigkeit?
00:14:54: Wunschdenken schüren.
00:14:56: Sorge vor so einer Klagewelle, die dann kommen würde, wenn du den Leuten unbegründete Hoffnungen hast.
00:15:05: Mayte Schomburg: Also eine Sorge vor rechtlichen Konsequenzen.
00:15:07: Hendrik: Auf jeden Fall. Und das kann man ja nicht mal verurteilen. Man kann es irgendwie ja nachvollziehen, dass die Ärztinnen und Ärzte sich auch nicht selber in Gefahr bringen wollen.
00:15:21: Das ist ja völlig klar. Trotzdem muss man sowas als Patient, als Patientin wissen und
00:15:30: Mayte Schomburg: sagen,
00:15:31: Hendrik: ja im Moment, die Sprache die ist ja jetzt gerade getrieben von dem juristischen Impetus. Es geht gar nicht unbedingt jetzt darum, mich zu motivieren.
00:15:43: Mayte Schomburg: Yes. Ich habe mal, als mein Mann damals krank wurde, der ist erkrankt an ME-CFS und damals war es...
00:15:51: lieferte ihn ab in der Neurologie in einem Hamburger Krankenhaus. Aber dann sagte auch der Arzt, so das Letzte was wir brauchen, ist die besorgte Ehefrau im Krankenbett. Machen Sie sich mal keine Sorgen irgendwas werden wir finden.
00:16:13: MS, ALS, AIDS, Krebs und danach sehen wir weiter. Und ich dachte nur so. Und inwieweit soll uns das jetzt helfen? Ich dachte, ich war fassungslos. Aber ich glaube, das ist vielleicht tatsächlich so diese Motivation, die manchmal dahinter steht, zu sagen, hey, das gibt einem vielleicht Sicherheit. Mir als Arzt gibt es vielleicht Sicherheit, eine Diagnose zu finden und dann hast du vielleicht einen Fahrplan, aber keiner erzählt dir danach etwas, was Leben ausmacht mit einer Krankheit.
00:16:44: Was ist denn für dich zum Beispiel ein gutes Leben?
00:16:49: Hendrik: Das ist eine gute Frage.
00:16:54: Mayte Schomburg: Ist ein gutes Leben immer unbedingt frei von Krankheit?
00:16:57: Hendrik: Nee.
00:16:58: Mayte Schomburg: Eben.
00:16:58: nicht. Die Frage ist sehr smart, weil egal wie gut die Medizin ist, egal wie viel man... Wissenschaftlich über eine Krankheit weiß, du kannst ja nicht ernsthaft bewerten, wie gut ist das Leben noch.
00:17:22: Mayte Schomburg: Ja, wie lebenswert.
00:17:25: Hendrik: Genau, es gibt diesen schönen Spruch, es geht nicht darum, wie viele Tage noch im Leben sind, sondern wie viel Leben noch in den Tagen ist.
00:17:35: Und dann denkst du, warum?
00:18:05: Und insofern ist die Frage klug, die ist schwer zu beantworten. Ich glaube, was für mich das Leben lebenswert macht, muss ja für den nächsten Menschen schon völlig irrelevant sein. Aber das ist einer der wenigen positiven Effekte von so einer Klarheit. Erstens du hörst auf mit Bullshit. Ich weiß nicht, wie es bei euch war.
00:18:38: extrem wertvoll und die wollen mich nicht mit irgendwem Scheiß belasten, ja.
00:19:06: Und der zweite Effekt der eintritt ist, du kommst ja selber auf so eine ungewollte Art zu dir und musst...
00:19:19: Mayte Schomburg: Und beabsichtigt vielleicht.
00:19:21: Hendrik: Genau. Du musst dir aber die Frage beantworten, was willst du in deinem Leben? Was soll das dann bereithalten? Wer
00:19:29: Mayte Schomburg: bin ich dann?
00:19:30: Hendrik: Wer bist du? Genau.
00:19:35: Und bei mir hat es wahnsinnig lange gedauert weil ich da auch nicht sehr klug im Vorgehen bin. Also in mir war immer so ein Bild von, ich bin der Basketballspieler. Und dann kommt so eine Karte halt und sagt, nein, bist du nicht.
00:19:57: Mayte Schomburg: Schön gesagt.
00:19:58: hingehen und sagen, ich will aber trotzdem, ich stelle mich trotzdem unter den Kopf und versuche da ranzukommen.
00:20:08: Und es muss scheitern wird nicht klappen. Aber es heißt ja auch nicht, ich kann nie wieder Sport machen. Da muss ich halt überlegen, warte mal, was für einen Sport kann ich jetzt machen und was macht mir Spaß und worum geht es eigentlich? Ich muss ja nicht Basketballprofi werden, es gibt ja auch einen Plan B vielleicht.
00:20:38: ja, das wird nicht so richtig lang mehr gehen. Und ich hatte damals eine Bände und die sind so richtig aufgetreten vor vielen Leuten und ich habe mich da immer als Live-Musiker gesehen, bis mir klar wurde, das wird so nicht weitergehen.
00:21:20: Aber es heißt ja nicht, dass ich Musik an sich fallen lassen muss. Und dann habe angefangen Songs zu schreiben. Und den Leuten, die die dann singen ist das natürlich komplett Wumpe, ob ich im Rollstuhl saß beim Schreiben oder nicht. Und erst dann habe ich gedacht, ah, okay, man muss vielleicht manchmal sich selber die Frage stellen, okay, wenn das um mich geht, welcher Wert steckt dahinter?
00:21:51: Mayte Schomburg: Und
00:21:51: Hendrik: was ist mir wichtig? Und wie kann ich das mit der Krankheit vielleicht trotzdem erreichen?
00:21:59: Inwieweit meinst du, weil Sport und Musik hat ja beides was mit Körpergefühl zu tun.
00:22:04: Hendrik: Es
00:22:05: Mayte Schomburg: hat ja schon viel zu tun mit...
00:22:06: Hendrik: Ja.
00:22:07: Mayte Schomburg: Ja, das Körpergefühl ist nicht einfach nur raufhauen auf irgendwas, sondern Agilität, Taktik Übung.
00:22:16: Hendrik: Ja.
00:22:16: Mayte Schomburg: Inwieweit hat dir das geholfen, mit deiner Situation umzugehen?
00:22:23: Hendrik: Naja, es hat auf jeden Fall beides auch sehr viel zu tun mit Disziplin. Und die hatte ich immer ohne Ende. Ich bin ohne Murren einfach jeden Morgen vor der Schule laufen gegangen, bei Wind und Wetter. Das war völlig egal, das war einfach klar.
00:22:47: Mayte Schomburg: Als Schüler schon?
00:22:48: das, weil ich dachte, was sage ich denn, wenn sie mich fragt Diesem alten Mantra was uns nicht umbringt, macht uns härter, weil Auf
00:23:11: Mayte Schomburg: die Idee wäre ich nicht gekommen.
00:23:13: Hendrik: Nee klar, weil das ja auch so einen Unterton hat und so, das ist ja für dich klar. Aber ist ja insofern schon interessant, weil körperlich ist es so falsch ja nicht, dass jeden Tag kalt duschen kann Sinnvoll ist irgendwie. Aber das gilt ja seelisch nicht. Also jemand stumpft dann vielleicht ab, aber weh tut es ja trotzdem.
00:23:45: war kein Problem. Ich konnte immer noch mehr Stöbe drauf und ich konnte immer noch härter zu sein. Das Problem war für mich, loszulassen.
00:24:12: Mayte Schomburg: Das
00:24:12: Hendrik: tat weh als ich das gelernt habe. Weil ich dachte, warte mal, mein ganzes Leben lang hat aber die Lösung.
00:24:23: Wie? Ich kann das nicht lösen durch Disziplin. Und... Insofern hat mir Musik und Sport schon geholfen, weil mir völlig klar war, so bestimmte Sachen musst du halt üben und dann musst du halt, wenn es nicht klappt, mehr üben. Also ich habe jetzt dieses Neurotraining, was du hier auch so über rumliegen siehst, das ist aus dem Bewusstsein entstanden, warte mal.
00:24:59: Wenn ich bestimmte Sachen nicht kann, muss es einen Weg geben, dem Gehirn zu sagen, das musst du üben. Das glaube ich schon, aber das ist eben eine ich glaube, sehr feine Balance zwischen annehmen und hinnehmen. Irgendwie dass du so bestimmte Sachen ... Nicht bekämpft, weil du sagst, das wird nicht wiederkommen, das macht keinen Sinn.
00:25:32: naiven Glauben entstanden. Ich bin brutal hart in bestimmten Sachen zu mir.
00:26:06: Ich bin auch auf der Suche nach den absolut besten Menschen, die mir helfen können. Dieses Neurotraining mache ich mit einem Profitrainer aus dem Fußball. Die Ernährung und Supplements, die ich so nehme, die sind extrem fein zensiliert. Also, so zu sagen, diesen Anspruch an die Menschen um mich herum, genau wie an mich, extrem hart dafür zu arbeiten, dass ich...
00:26:40: viel schwerer.
00:27:01: Mayte Schomburg: Das Annehmen von Dingen, die du nicht ändern kannst.
00:27:04: Hendrik: So ist es.
00:27:06: Mayte Schomburg: Was ist denn dein Selbstbild vom Gesunden, Hendrik? Ist das der, der wie er früher war oder ist Gesundheit für dich inzwischen, also was ist Heilung für dich vielleicht?
00:27:15: Hendrik: Das ist eine gute Frage, die ich glaube ich so nicht beantworten kann, weil ich gar nicht weiß, ob es ein Leben ohne Krankheit gibt, kann sein.
00:27:31: Ich habe ein Wort entdeckt was jetzt für mich ausschlaggebend ist, und das ist Vitalität.
00:27:38: Mayte Schomburg: Und
00:27:39: Hendrik: ich will dass die Leute auf den ersten Blick sehen, wenn ich reinkomme, der ist vital.
00:27:46: Mayte Schomburg: Bist du.
00:27:46: so an anderen Menschen, wenn die ausstrahlen, ich bin so lebendig wie möglich in dem Leben, was ich nun mal habe.
00:28:10: Und da finde ich die Kindersicht auf Menschen auch so geil die ja niemals das Gefühl haben, das hätte ich jetzt gerne ein bisschen anders.
00:28:23: Mayte Schomburg: Die sind total präsent.
00:28:25: Hendrik: Genau. Und finde ich so...
00:28:29: Beeindruckend an manchen Menschen, die in den Raum kommen und du denkst, wow, die sind voll da. Die sind nur hier.
00:28:37: Mayte Schomburg: Die
00:28:38: Hendrik: sind gerade nirgendwo anders. Und es gibt so Leute, die strahlen an Kraft und Energie aus, als ob gerade ein echter Panther in den Raum kommt. So viel Lebendigkeit. Wow. Der ganze Raum ist ausgefüllt.
00:28:56: Mayte Schomburg: Das
00:28:56: Hendrik: finde ich geil.
00:28:58: Lebendigkeit, die kann man ja eben auch ausstrahlen wenn man körperlich eben nicht alles kann.
00:29:03: Hendrik: Jawohl. Ja.
00:29:05: Mayte Schomburg: Ich kann dir sagen, Heilung bedeutet für mich...
00:29:08: Hendrik: Das wäre jetzt mal eine Frage gewesen, ja?
00:29:10: Mayte Schomburg: Ja, Heilung bedeutet für mich eher so eine Art Prozess oder auch ganz viel Seelisches dabei.
00:29:15: Also, dass man sich auf so einen Weg begibt und... Und dann schaut, genau so, alles, worüber du vorhin gesprochen hast, also dieses Betrauern von dem, was nicht mehr geht, Dinge loslassen, die losgelassen gehören. Loslassen ist, glaube ich, ein Riesending. Diese Frage so nach dem Sinn, wie kann ich mein Leben sinnhaft gestalten, wie kann ich Schritte unternehmen, die möglichst dann auf eine positive Zukunft hinwirken.
00:29:46: Und was ist mir da möglich und was nicht?
00:29:48: Hendrik: Du hast gerade echt so einen Jahrhundertsatz gesagt. Heilung ist eigentlich ein Prozess.
00:29:55: vieler Menschen, wie ich das verstanden habe, nicht teilen kannst. Aber du hast auch vorhin im Vorgespräch gerade etwas erzählt davon, was Resilienz für dich durchaus bedeutet oder auch was es da für Studien zu gibt.
00:30:13: Magst du? Darfst du noch mal was sagen?
00:30:15: Hendrik: Das Schöne ist, dass es so eine Metastudie gibt, die können wir auch gerne verlinken.
00:30:22: Mayte Schomburg: Ja gerne. Genauso wie Songs von dir gerne.
00:30:26: Hendrik: Gerne. Und diese Metastudie hat vier Sachen herausgefunden, die Leute resilient machen. Das ist natürlich immer so ein bisschen... Ja, das muss man ein bisschen in Zweifel ziehen, ob das für jeden dann so hilfreich ist, aber im Grundsätzlichen stimmt das schon.
00:30:54: das ist manchmal ein bisschen schwierig, wenn man sich denkt, Was soll das für einen Sinn machen, wenn ich jetzt krank bin? Warum ich? Das ist eine ganz schlimme Frage. Aber trotzdem daraus was zu finden, was man zum Beispiel dann anderen Leuten weitergibt, macht einen extrem resilient.
00:31:27: Das Zweite ist Hoffnung. Das Thema dieses Podcasts der Ausblick oder zumindest die Vermutung dass es da einen Schritt nach vorne geben könnte.
00:31:40: Mayte Schomburg: Der Zukunftsgedanke.
00:31:41: Hendrik: Genau. Das dritte ist ein Netzwerk aus Leuten, die einen auffangen. Das habt ihr ja bestimmt auch erlebt. Also ich würde fast so weit gehen, niemand ist alleine präsent.
00:31:56: fast alles schaffen. Und das Vierte hat mich, ehrlich gesagt, ziemlich überrascht, ist Zugang zu Natur. Also irgendwie einen Park, einen Garten und so. Abgefahren das klingt, aber genau, das scheint irgendwie relevant zu sein, ja.
00:32:20: Mayte Schomburg: Dieser Sinn-Gedanke den du jetzt gerade genannt hast, von wegen, ja, ist vielleicht schwierig.
00:32:25: Direkt so einen Sinn in der Erkrankung zu erkennen, wenn man eine Diagnose erhält, die einem dann das Leben erst mal über den Haufen wirft.
00:32:34: Hendrik: Aber
00:32:34: Mayte Schomburg: für mich ist das, was du gerade über die Musik erzählt hast, genau das. Oder auch über den Sport. Also das hast du dir ja bewahren können.
00:32:43: Hendrik: Ja.
00:32:45: Mayte Schomburg: Nicht nur das, du hast dir ein richtiges Leben aufgebaut im Angesicht dieser...
00:32:50: Also deines Lebens einfach, das eben diese Diagnose mit sich bringt und alle Herausforderungen, die damit einhergehen.
00:32:58: bestätigen, dass sich alles verändert in der Hinsicht sobald du Kinder hast natürlich. Weil, also erstmal ist das Schöne natürlich einem Kinderdienst sehr viel Schnuppe Ein Rollstuhl, ein Rollator, ein Kröker, ist ja alles völlig egal.
00:33:19: Die
00:33:19: Mayte Schomburg: nehmen
00:33:19: Hendrik: dich
00:33:19: Mayte Schomburg: genauso, wie du bist, ja.
00:33:21: Hendrik: Aber er ist da und hat Zeit. Und hier, guck mal, was ich Tolles gebaut habe. Das ist ja das Wichtige. Die
00:33:29: Mayte Schomburg: werden halt nicht. Also Erwachsene werden
00:33:30: Hendrik: halt schnell. Genau, Kinder gar nicht.
00:33:36: was passiert. Dann, als das alles weg war und abgetuppt, guckt mein Sohn mich an und sagt, weiter geht's.
00:34:10: Mayte Schomburg: Weiter geht's. Stark.
00:34:12: Hendrik: Alles
00:34:13: Mayte Schomburg: richtig gemacht.
00:34:14: Hendrik: Ganz genau. Und insofern.
00:34:19: Mayte Schomburg: Cooler Typ.
00:34:21: Hendrik: Auch wenn die Krankheit an sich natürlich keinen Sinn macht, das ist ja nicht sinnhaft, dass sie mich bestattet. Ich sehe natürlich sehr genau, wie meine Kids mich beobachten, wie ich damit umgehe.
00:34:37: Mayte Schomburg: Ja, und ich denke, vielleicht liegt die Sinnfrage ja gar nicht daran, warum hat dich die Krankheit erwischt, sondern wie kannst du dein Leben sinnhaft gestalten?
00:34:46: bezieht und sagt, das ist unfair, das Leben, warum hat es mich erwischt, sondern dass man eher überlegt, Was kann ich denn dadurch anderen mitgeben, also ohne jetzt so, das klingt jetzt so ein bisschen wie so ein Messias, aber es ist ja nicht die Schuld deines Mannes, dass er krank geworden ist.
00:35:26: Es ist ja nicht meine Schuld, die falsche Gene ausgewählt zu haben. Null. Aber es ist schon die Verantwortung von uns, damit umzugehen. Und das sehen natürlich die Menschen um mich herum, also wie ich damit umgehe. Und ich glaube, diesen Unterschied zu machen nach dem Motto es ist nicht meine Schuld, aber es ist komplett meine Verantwortung, das ist schon sehr entscheidend.
00:35:57: wenn du sagst, ja es ist deine Verantwortung, damit umzugehen. Aber gibt es etwas, was du zum Beispiel gesunden ... Mitgeben magst oder kannst, wenn es darum geht, auch einem dieses verantwortungsvolle Umgehen mit dieser Erkrankung vielleicht zu ermöglichen oder manchmal ein bisschen leichter zu machen.
00:36:21: Habe ich die Frage richtig gestellt?
00:36:23: Hendrik: Ich glaube schon. Du willst wissen, Wie Leute mit mir und meinen Erkrankungen besser umgehen?
00:36:32: Mayte Schomburg: Ja, beziehungsweise ein Aspekt, den ich zumindest nicht so erwartet hätte, war, damit lernen umzugehen wie die Umwelt, einschließlich Familie und Freunde, mit der Heftigkeit einer solchen Diagnose umgehen.
00:36:46: Und einerseits ist es natürlich derjenige selber, der, ich sage jetzt mal, getroffen wird von so einer Diagnose oder von so einer, ich mag das Wort Schicksal immer nicht, aber du weißt, was ich meine.
00:36:58: Hendrik: Ja.
00:36:59: ist es teilweise so, dass es solche Berührungsängste gibt. Und wenn du ja auch sagst bei der Resilienz kommt es auch auf das Netzwerk an.
00:37:07: Natürlich, es gab auch bei uns Menschen, die waren einfach da, die haben, sind jede Höhe und vor allen Dingen die Tiefen auch. Lange, lange, über Jahre mitgegangen. Ich kann dir aber zum Beispiel selber auch nicht sagen, wie ich damit umgegangen wäre, wenn ich jetzt nicht wirklich mittendrin gesteckt hätte in dieser Situation als Angehörige.
00:37:30: Also du hast mal erzählt, du bist nach der Diagnose, du galtest irgendwann als so Einsiedler, obwohl du es gar nicht bist.
00:37:39: Unterschied.
00:38:01: Wenn du unsicher läufst guckst du dir immer runter an.
00:38:06: Mayte Schomburg: Das
00:38:07: Hendrik: heißt, du wirkst dann extrem schüchtern zum Beispiel. Das ist eine ganz große Gefahr, die schon bei so vielen Menschen jetzt beigenommen hat, die ein ähnliches Schicksal haben, dieser Wunsch nicht angesprochen zu werden darauf und sich zurückzuziehen.
00:38:34: Und das ist eine Riesengefahr. Jeder Zehnte fast in Deutschland hat eine schwere Behinderung. Und ich frage mich manchmal, wenn durch die Stadt geht, wo sind die in der Hand?
00:38:58:
00:39:00: Hendrik: Und darum... Ich bin immer sozusagen jemand gewesen, der gesagt hat, raus, raus, raus, ihr müsst euch zeigen, ihr müsst in der ganzen Verrücktheit, die euer Leben vielleicht mit sich bringt, müsst ihr strahlen, ihr müsst rausgehen, ihr müsst zeigen.
00:39:20: Wir sind nicht ein Algorithmus, wir sind nicht die Welt aus Insta und TikTok, sondern das hier ist die wahre Welt. Jeder hat ein Stück von diesem echten Leben und es gibt so ein paar Tipps und Tricks die ich jetzt umfeldern. Mitgebe, also Umfelder von Leuten, die jetzt eine schwere Diagnose haben. Und einer ist zum Beispiel, immer, wenn euch etwas bewegt sofort ansprechen.
00:39:56: ein blöder Zeitpunkt oder so. Das
00:40:02: Mayte Schomburg: sagst deinem Umfeld.
00:40:03: Hendrik: Genau, immer ansprechen, immer sofort die Fragen stellen, auch die... Und dann genehm auch die, wo man das Gefühl hat, ich will den Menschen nicht so nahe treten, ansprechen ansprechen, ansprechen.
00:40:17: Weil wenn dann klar ist, dass man es immer ansprechen darf, dann ist auch in Momenten wo man zum Beispiel als Freund, der nur nebeneinander auf einer Parkung sitzt und niemals was sagt, weiß man, ach cool, das ist gerade kein Thema. Es geht nur, wenn man die Erlaubnis gibt, immer darüber zu reden.
00:40:41: Mayte Schomburg: Ehrlichkeit.
00:40:42: Oft die Aussicht ziemlich düster ist und nach unten geht. Und Gehstiffe gebraucht werden, weil Menschen ganz oft das Gefühl haben, ah, verdammt jetzt habe ich diese Erkrankung diese Behinderung jetzt brauche ich mich gar nicht mehr.
00:41:19: Nein darauf achten. Das E steht für Erlernen, also irgendwas noch sich entwickeln lassen. Irgendwie das Gefühl haben, es tut sich was. Es könnte auch so etwas sein wie eine Sprache oder Schach spielen oder irgendwie sowas. Es spielt keine Rolle, worum es geht. W ist für Würde. Da würde ich immer, immer, immer sagen, es muss würdevoll zugehen.
00:41:54: Ja,
00:41:55: Mayte Schomburg: unbedingt. Und
00:41:55: irgendwie eine Rampe bauen, sondern direkt vor einem Haupteingang. Also Ü ist Überlegenheit. Ich habe so das Gefühl, dass es ganz viel Ihnen gut tut wenn Sie auch irgendeinen Bereich haben, wo Sie gewinnen. Und das ist, wie ich will, am Jeck.
00:42:14: Geht noch irgendwas, ich bin gut da drin.
00:42:18: Mayte Schomburg: Gut oder auch besser als andere?
00:42:21: Hendrik: Besser als andere, vielleicht. Ja, genau. Und sei es ein Gesellschaftsspiel, das spielt keine Rolle. R ist für Ruhe Man kann nicht, das weißt du ja, das habt ihr auch durchgebracht, du kannst einfach nicht permanent im Kampfbund auf sein.
00:42:39: mit denen auszutauschen. Du brauchst ein Netzwerk, du musst Leute haben, die dich auffangen.
00:43:07: Das wirkt ja bei der Gewöhnlichkeit ein Netzwerk.
00:43:13: Mayte Schomburg: Du hilfst ja auch vielen Menschen, die gesund sind als Resilienztrainer, auch im unternehmerischen Kontext und so. Wie hast du das für dich gelernt oder diesen Switch für dich gemacht? Du hast ja vorhin schon erwähnt dass du während Corona im beruflichen Kontext selber gemerkt hast, okay, da gibt es diese Parallelen.
00:43:37: Und wie setzt du das heute um? Oder was sind so deine Key Messages?
00:43:42: das sind alles Fähigkeiten, die niemals von der KI ersetzt werden.
00:44:05: Kein Roboter der Welt wird das je können. Insofern, sich vorzubereiten, sich und sein Team darauf vorzubereiten, was machen wir eigentlich in schweren Zeiten, ist zutiefst menschlich und wird niemals ersetzt werden. Die fünf Sachen, die ich den Leuten in Vorträgen oder Ganztagsworkshops und Coachings weitergebe, sind Schweigen, weil ich davon überzeugt bin, du musst erstmal.
00:44:36: wollen gerade im Unternehmenskontext immer mehr geben.
00:45:03: Wir wollen immer prüschen wir wollen immer performen, wir wollen immer hart sein. Ich denke mal, ja, aber das wichtigste Körperteil für eine Krise ist ja der Kopf. Der kann so nicht einfach immer nur einen Gast geben. Du musst ja auch mal Pause machen. Und dann genau zu überlegen, wann muss man welche Art von Pausen machen, um wieder Höchstleistungen bringen zu können, ist sozusagen entscheidend.
00:45:33: umgeben, suggerieren uns, es gäbe einen klaren nächsten Schritt.
00:46:05: Aber wirklich sich selbst unter anderem so fühlen heißt auch manchmal eine Ambivalenz auszuhalten. Sagen, ja, weiß ich gerade nicht, vielleicht so. Ja, ein Gespräch dafür, ein anderes dagegen. Die werden sehen. Und das vierte ist Trauern. Da verschrinken alle Geschäfte, muss ja auch nicht gendern, verschrinken die immer und wollen das nicht.
00:46:35: Mayte Schomburg: Du musst dann nicht gendern, sagst du?
00:46:37: Hendrik: Nee. Frauen fällt das viel, viel leichter als Männer. So trauert. Weil so diese Irrglaube immer noch besteht, wieso traurig bin ich ja automatisch.
00:46:50: Mayte Schomburg: Es
00:46:51: Hendrik: geht nicht um traurig sein, sondern es geht um aktiv Betrauen.
00:46:55: Mayte Schomburg: Das kann ich bestätigen das ist ein Unterschied.
00:46:57:
00:47:00: Musst gleich mal erzählen. Ich glaube einfach, dass wir nur vorwärts kommen, wenn wir auch lernen, loszulassen. Und das kann man üben und zum Beispiel als Team sich in guten Zeiten vorbereiten darauf, was passiert eigentlich, wenn es einem von uns nicht gut geht. Was machen wir da? Wie finden wir einen respektvollen Umgang, ohne dass wir sagen, ah, wird schon ein Schulterklopfer, komm, wir stellen die so an, weiter geht's.
00:47:34: die macht auch so ein Team unheimlich schnell und effektiv.
00:48:05: Und dann braucht man weniger Meetings, weil alle den gleichen Traum haben, alle wissen, worum es geht. Und vor allen Dingen im Bereich Träumen habe ich gemerkt, wie wichtig das ist, auch im Bereich Hoffnungssumme. Gewisse diffuse Zukunftsvorstellungen hinzunehmen.
00:48:29: Mayte Schomburg: Also zuzulassen?
00:48:31: Hendrik: Zuzulassen, genau. Dass du sagst, ich weiß nicht genau, wie die Zukunft aussieht aber irgendwie so will sie sich schon anfühlen.
00:48:40: Du kannst das nicht eins zu eins planen und können sich sagen, das wird passieren und so wird ich reagieren.
00:49:07: Aber ziemlich genau an dem Traum arbeiten, das geht schon.
00:49:11: Mayte Schomburg: Ich verstehe, dass du sagst du möchtest da nicht ins Esoterische rein, aber das hat für mich auch was von Beten, ohne jetzt ins Esoterische reinzugehen.
00:49:19: Hendrik: Aber
00:49:20: Mayte Schomburg: mir hat mal jemand gesagt, wenn du möchtest dass etwas eintritt, dann lerne dir das Gefühl, in die Gegenwart zu holen.
00:49:26: Hendrik: Ja, sehr gut.
00:49:28: Mayte Schomburg: Ich finde, du verknüpfst total viel in deiner Arbeit diese Zeitebenen Vergangenheit Betrauern hat ja, finde ich, wirklich viel damit zu tun, dass du nicht nur... Und lernst loszulassen, wie hast du dir dein Leben mal vorgestellt? Man betrauert ja auch eine Zukunft, die man dachte mal zu haben.
00:49:45: Hendrik: Ja wohl.
00:49:46: Und
00:49:47: wie wir dachten. Die Zukunft sieht definitiv anders aus. Nur wie? Und gerade gibt es ganz viel, das einen runterzieht.
00:50:07: Wie schaffen wir es da wieder rauszukommen? Mir hat mal jemand erzählt, dass dein Team ziemlich hohe Motivationswerte hatte während dieser Zeit. Was magst du erzählen?
00:50:18: Hendrik: Ja, der Effekt den wir fast zufällig gesehen haben, war, dass die Bindung in meinem Team echt so eben hoch war. Du musst dir vorstellen, als der Lockdown vorbei war, alle wieder zurück ins Büro kamen, haben sich erstmal im Prinzip alle gehasst.
00:50:43: Lockdown ist ja natürlich fürchterlich. Entweder bist du einsam gewesen oder hast Mord gelöst.
00:50:50: Mayte Schomburg: Ja bei uns war es ja eher so, als hätte sich der Rest der Welt an unseren Rhythmus angepasst Das
00:50:56: Trotzdem war das erstaunlich dass mein Team im Prinzip Arm in Arm wieder zurück ins Büro kam und sich top verstanden hat.
00:51:14: Also ich wünschte ich hätte es damals genauso geplant, aber die Wahrheit ist, ich war selber überrascht davon und habe mich gefragt, warum ist das so jetzt eigentlich, warum stecken wir das jetzt so viel besser weg als andere?
00:51:31: Mayte Schomburg: Du hast dir das Team geleitet.
00:51:32: Hendrik: Genau. Es war einfach so, dass ich unwissend immer wieder so einen kleinen Resilienzbrocken mittrainiert habe.
00:51:43: Aber ich hatte schon sehr früh angefangen, dem Team mal klar zu machen, ich könnte entscheiden, dass morgen alles anders ist.
00:52:10: Da müssen wir uns drauf einstellen. Und das ist natürlich, also vor Corona haben alle mit den Augen gedreht und gedacht, warum, was soll schon passieren, soll hier, uh, soll die Welt untergehen? Sagen wir mal ein paar Wochen später, ja, die Welt kann schon direkt jetzt bei uns untergehen. Und dann eben nicht in Panik zu verweilen, sondern...
00:52:38: durchspinnen. Und dann kann man sich vorbereiten und dann kann man die...
00:53:03: Pfeile in die Kirche stecken, die man später braucht.
00:53:08: Mayte Schomburg: Um gut vorbereitet in eine Krise zu gehen. Und in der Zeit hast du also deine fünf Prinzipien quasi für dich rausdestilliert.
00:53:16: Hendrik: Und
00:53:16: Mayte Schomburg: dann bist du ja raus aus dem Job und inzwischen konzentrierst du dich auf diese Arbeit als Resilienzcoach, in der du mit diesen Prinzipien unter anderem arbeitest.
00:53:26: Hendrik: Genau. Und tragischerweise ist natürlich die Zeit als Resilienzcoach Krisentrainer günstig.
00:53:37: Mayte Schomburg: Also
00:53:38: dass er ein Jahr ohne Krise schafft.
00:54:03: Der meldet sich keiner. Und dann machst du so, okay, dann trainieren wir jetzt Krise.
00:54:11: Mayte Schomburg: Stell dir vor, du wärst heute, also 2026, nochmal 20 Jahre alt. Welchen Rat würdest du dir geben?
00:54:21: Hendrik: Ich würde mir die Hand auf die Schulter legen und sagen, du überschätzt völlig, was du in zwei Jahren tun kannst und du unterschätzt völlig, was du in 20 Jahren tun kannst. Hoffnung ist definitiv angebracht.
00:54:42: Mayte Schomburg: Hoffnung ist angebracht. Lieber Hendrik, ich danke dir.
00:54:46: Hendrik: Sehr gerne. Das
00:54:47:
00:54:51: schreibt, dann ist das, Diagnose ist nicht gleich Prognose. Wie eine Löwenmutter stellt er sich inzwischen vor Menschen, die eine schwierige Diagnose bekommen haben.
00:55:08: Denn in diesem so verletzlichen Moment wird allzu häufig ein dunkles und viel zu eindimensionales Bild von der Zukunft vermittelt. Dass einem 24-Jährigen gesagt wird, So wird dein Leben weitergehen. Das sei, sagt Hendrik aus eigener Erfahrung, ein Albtraum. Dass er es trotzdem geschafft hat, zuversichtlich aufs Leben zu blicken, das musste er sich hart erarbeiten.
00:55:29: Heute gibt Hendrik das, was er durch seine eigene Erfahrung über Resilienz gelernt hat, weiter. Resilienz bedeutet für ihn, aus Krise etwas zu lernen, sich weiterzuentwickeln, um auf die nächste Krise besser vorbereitet zu sein. Idealerweise trainiert man das, bevor die Krise da ist. In seinen Trainings im unternehmerischen Kontext gibt Hendrik gerne fünf Prinzipien weiter, die dabei helfen können, Krisen zu bewältigen.
00:55:52: Gedanken an eine noch ungewisse Zukunft zuzulassen. Früher, vor der Diagnose, sah Hendrik sich vor allem als Sportler und Musiker. Beides hat weiterhin einen festen Platz in seinem Leben. Nicht so, wie er es sich mal vorgestellt hatte.
00:56:13: Aber so, dass er aus beidem weiterhin Kraft schöpfen kann. Zwischen Annehmen und Hinnehmen besteht ein Unterschied. Und es geht darum, eine Balance zwischen beiden zu finden. Wir sprachen darüber, was ein gutes Leben ausmacht. Hendrik zitiert dazu den Satz dass es nicht auf die Anzahl der Tage im Leben ankommt, sondern auf das Leben in den Tagen.
00:56:33: Sinnhaftigkeit sehr wichtig, sagt Hendrik. Auch für die Hoffnung. Für ihn bedeutet das, dass, was ihm passiert ist, nicht nur auf sich selbst zu beziehen, Sondern immer auch zu überlegen, was man anderen weitergeben kann. Wir sprachen darüber, was Heilung für uns bedeutet. Wobei ich hier natürlich sagen muss, mein Verständnis davon speist sich aus meiner Erfahrung als Angehörige und die unterscheidet sich selbstverständlich von der Erfahrung als Selbsterkrankter.
00:56:56: Umfeld. Und das Umfeld kann die Erfahrung des Erkrankten erleichtern oder erschweren. Du musst Leute haben, die dich auffangen, sagt er. Was ich nicht wusste, knapp 8 Millionen Menschen in Deutschland besitzen einen schwerbehinderten Ausweis. Man bekommt das aber kaum mit.
00:57:15: Nun ist nicht jede Behinderung sichtbar. Aber ich finde, Hendrik hat recht. Als Gesellschaft täte uns ein inklusiverer, selbstverständlicherer Umgang mit Krankheit und Behinderung gut. Wer mehr über Hendrik und seine Arbeit erfahren möchte, findet ihn auf hendrik-heuermann.de.
00:57:31: Link in den Shownotes. Dort sind auch drei seiner Lieder verlinkt, die alle auf unterschiedliche Weise für ihn stehen. Danke, dass ihr bei der heutigen Folge von Hopepunk mit dabei wart, einem Podcast über die Kraft der Hoffnung im Angesicht von Herausforderungen. Wenn euch der Podcast gefallen hat, freue ich mich über eine Bewertung.
00:57:50: seid.
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